Testleser

Leser, die deine Geschichte schon vor der Veröffentlichung zu Gesicht bekommen? Ist das nicht eigentlich schlechte Werbung für deinen Roman? Immerhin ist dein Manuskript noch ungeschliffen und birgt bestimmt noch etliche Fehler, die die Testleser dann zu Gesicht bekommen.

Teil 1 der Testleser-Reihe

Warum ein unfertiger Roman keine schlechte Werbung für dich bedeutet

Erstens, legst du dein Manuskript keinem großen Publikum in die Hände, sondern nur ein paar ausgewählten Testlesern. Diesen Lesern ist klar – das solltest du zumindest kommunizieren, falls sie noch nie ein Manuskript testgelesen haben – dass dein Roman noch nicht fertig ist und du nach verlässlichem Feedback dafür suchst. 

Zweitens, leitest du dein Manuskript erst dann an die Testleser weiter, wenn du bereits einen akzeptablen Entwurf gefertigt hast. Zumindest läuft es in den meisten Fällen so. Außer, du lässt deine testenden Leser schon während der Entstehung eingreifen. Eine andere Art, deine Testleser in die Geschichte miteinzubeziehen.

Aber auch in diesem Fall, werden deine Leser deinen vorläufigen Entwurf  nicht als schlecht abtun. Sie wissen ja, dass du nach Rat suchst, um das Beste aus deiner Geschichte herauszuholen. 

Fazit: Wenn deine Testleser Begeisterung für die Geschichte verspüren, machen sie womöglich sogar Werbung, die sich positiv auf deine Verkäufe auswirkt. 

Brauchst du überhaupt Testleser?

Brauchst du eine Pulsuhr, wenn du einen Marathon laufen möchtest?

In erster Linie natürlich nicht. Willst du aber professionell in den Lauf starten, sorgst du dafür, dass du top ausgestattet bist.

Zu hundert Prozent kann man Testleser und Pulsuhren natürlich nicht vergleichen. Es sind schon unzählige Bücher erschienen, ohne vorher von Testlesern gescannt worden zu sein, und sehr erfolgreich geworden.

Aber immer mehr Autoren, vor allem Selfpublisher, greifen gerne auf Testleser und ihre Meinung zurück. Immer öfter hört man, wie toll die Zusammenarbeit mit Testlesern war, wie positiv sie die Geschichte beeinflussen, und wie gut man sich nach einem Gespräch mit ihnen fühlt.

Wann soll man den Testlesern das Manuskript schicken?

Ich finde es sinnvoll, den unfertigen Roman an die Testleser zu senden, bevor das Manuskript ins Lektorat geht. Warum? Ganz einfach. Der Lektor arbeitet beruflich mit Texten. Er hat ein geschultes Auge für Fehler im Aufbau, Zusammenhang, in der Charakterentwicklung etc. 

Wenn deine Testleser nach dessen Überarbeitung auf Passagen hinweisen, die ihnen nicht gefallen,  und du erneut Änderungen vornimmst, kann es vorkommen, dass größere Abweichungen im Zusammenhang entstehen, die du selbst nicht mehr entdeckst. 

Deshalb mein Rat: Vorher den Testlesern überlassen. 

Vor dem Lektorat

Das Potenzial der Testleser

Warum soll ich mit einem Testleser zusammenarbeiten?

Der Austausch mit Testlesern kann sehr anregend wirken. Vor allem, wenn du bei einer Passage feststeckst oder dir einfach unsicher bist, ob die Geschichte in eine gute Richtung verläuft. Mit der Hilfe von Testlesern kannst du Fehler im Aufbau erkennen und deine Kreativität in andere Richtungen leiten lassen.

Auch stumpfe Charaktere werden von den Testlesern schnell entdeckt. Du kannst in ihre Entwicklung eingreifen und dafür sorgen, dass sie zum Liebling und nicht zu einem ungeliebten Zombie werden.

Die Angst vor dem Lektorat und dem großen Publikum – den zukünftigen Lesern – wird minimiert. Ein Testleser ist vor allem für junge Autoren der erste Schritt die eigene Idee in die Hände eines Lesers zu legen. Ein überschaubares Publikum für den Erstkontakt zu wählen, kann den manchmal großen kreativen Zweifler in uns zum Schweigen bringen.

Testleser zeigen dir nämlich nicht nur, was ihnen überhaupt nicht gefällt, sondern welche Passagen ihnen richtig große Freude bereitet haben. Ich war total begeistert, als mir meine Testleser mitteilten, was sie an meiner Geschichte wunderbar fanden. Es fühlte sich an, als hätte ich mit nur einem Wimpernschlag neue kreative Energie gesammelt.

Durch deine Testleser hast du die Möglichkeit das Potenzial der Geschichte noch größer werden zu lassen. Neue Wege zu entdecken, in die dein Roman noch verlaufen könnte. Noch bevor du das Lektorat zu Rate gezogen hast. Wobei ein Lektorat immer zu empfehlen ist – den professionellen Blick eines Lektors kann man nicht so leicht ersetzen. 

Wie viele Testleser?

Eine ungerade Anzahl an Testlesern ist erstrebenswert, da am Ende kein 50/50 Ergebnis der Meinungen ausfallen kann. 

Drei bis fünf Testleser finde ich am besten. Zu viele Köche verderben den Brei und sind am Ende schwer zu überblicken. Bei meinem Liebesroman, der sich übrigens gerade im Lektorat befindet, habe ich drei Testleser ausgewählt.

In einem kleinen Kreis kann man sich gut austauschen. Sogar dafür sorgen, dass die Testleser untereinander kommunizieren. Dann können sie sich gemeinsam im Rudel auf dich stürzen. 😉 Nein, nur ein kleiner Scherz. Du kannst aber gleich überprüfen, ob deine Testleser dieselben Stellen bemängeln, und ob allen dasselbe Problem ins Auge springt. 

Wie sieht mein optimaler Testleser aus?

Deine Testleser sollten sich gerne im Genre deiner Geschichte bewegen. Bereits einige Bücher gelesen haben und wissen, wie der Hase im besagten Genre läuft. Damit sie dir auch konstruktives Feedback liefern können. Es ist nämlich klar, dass jemand der blutrünstige Horrorromane mag, mit deinem blumigen Liebesroman wenig anfangen kann.

Es kann jedoch äußerst interessant sein, wenn du einen Testleser findest, der Lust hat mit deinem Genre in Kontakt zu kommen, es bisher aber nicht wagte. Diesen Fall habe ich selbst getestet. Gespannt habe ich darauf gewartet, wie das Feedback ausfällt und ich kann sagen: Man bekommt die Geschichte aus einem ganz anderen Blickwinkel zu fassen! Ein Neuling achtet teilweise auf ganz andere Details.

Das Wichtigste ist natürlich: der Testleser soll eine Freude daran haben, deinen unfertigen Roman zu lesen und dir wertvolle Kritik dazu zu liefern! Er darf keinen perfekten Roman erwarten, aber sich auf eine Zusammenarbeit mit dir freuen und dir helfen, den Roman lesenswert zu machen! 

Testleser
Testleser sollten mit dem Genre vertraut sein

Wo findest du nun diese lieben Testleser? 

Ich habe im Familien- und Bekanntenkreis gesucht. In diesem Fall ist aber Vorsicht geboten. Du könntest natürlich in die Falle tappen und auf jemanden treffen, der sich nicht traut, ehrlich seine Meinung mitzuteilen, weil er dir zu nahesteht und dich nicht vor den Kopf stoßen möchte. Deshalb habe ich während dem Probelesen immer wieder daran erinnert, dass mir absolute Ehrlichkeit sehr wichtig ist. Da mich nur ehrliche Kritik weiterbringt. Samthandschuhe sind in diesem Fall nicht erwünscht. Die dürfen die Freunde dann auspacken, wenn ich das nächste Mal frage, ob ich zugenommen habe 😀

Objektive Testleser sind aber wohl am besten. Das heißt Leser, die dir nicht allzu nahestehen. Auf Facebook gibt es eigene Gruppen für Testleser, auch auf Instagram kann man einen Aufruf starten. Wenn du im Internet suchst, wirst du bestimmt auf Seiten stoßen, auf denen sich Testleser tummeln. 

Wenn ihr aber doch im engsten Kreis nach Lesern sucht, unbedingt darauf hinweisen, dass ernste Kritik erwünscht ist. Außerdem dich selbst an der Nase nehmen: Du musst ebenso ernste Kritik zulassen 🙂

Bedanken nicht vergessen! 

Was muss ich bei meinem Aufruf bedenken? Wie lange soll eine Lesephase dauern?

Wenn du den Aufruf an deine Testleser startest, solltest du unbedingt erwähnen, wie viele Leser du suchst, in welchem Genre du schreibst und in welchem Format du dein Manuskript versenden kannst. 

Sollten sich deine Testleser das Manuskript ausgedruckt wünschen, würde ich nicht zögern und es ihnen zukommen lassen. Außer du hast wirklich keine Möglichkeit dafür!

Die Testlesephase solltest du nicht zu kurz und nicht zu lange ansetzen. Auf jeden Fall ist auf die Länge des Buches zu achten! Auch darauf, ob es ein Sachbuch oder ein Roman im Unterhaltungsbereich ist. Je nachdem werden die Testleser mehr oder weniger Lesezeit brauchen.

Wenn einer der Testleser ein paar Tage länger braucht, mach noch keinen Stress! Erst wenn das Feedback eine Woche überfällig ist, würde ich mir überlegen, wie du weiter vorgehst, und notfalls mit den Kommentaren arbeiten, die du bisher bekommen hast.

Ganz wichtig! Bedanken nicht vergessen! Die Testleser erweisen dir einen großen Gefallen. Das solltest du niemals vergessen. Sie schenken dir ihre Zeit und gerade heutzutage, ist Zeit sehr knapp bemessen. Am schönsten ist es natürlich, wenn du ihnen nach der Veröffentlichung ein fertiges Exemplar zukommen lässt.

Also denk daran! Testleser sind goldwert. Der Austausch mit ihnen kann deine Kreativität beflügeln. Sie schaffen es mit wenigen Worten dein schreibendes Selbstbewusstsein aufzubauen. Und mit ihnen wird deine Geschichte bestimmt zum Lese-Muss! 

Welche Frage sollst du den Testlesern stellen?  Dieser Beitrag verrät es dir.  Ein Beispiel von mir gibt´s oben drauf. 

Danke für´s Lesen! Lisa


Bildquelle: Pixabay

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